Wie bringe ich Achtsamkeit in mein Leben ein?

Als ich schwanger war, habe ich überall bei meinen Unternehmungen nur noch Frauen oder Männer gesehen, die Kinderwägen schoben. Als sich unsere Kinder einen Hund wünschten, sah ich nur noch Familien mit Hunden und beschäftigte mich mit allem, was dazu gehörte. Und nun wünsche ich mir ein Auto in einer ganz besonderen Farbe, und siehe da, jetzt tauchen überall im Straßenverkehr Autos auf mit einer außergewöhnlichen Farbe, die mir gefallen würde. Kennst du ähnliche Situationen auch?

Was zeigen uns solche Beispiele?

Wir nehmen die Welt nicht in ihrer ganzen Fülle wahr.

Für uns existiert nur derjenige Teil der Welt, auf den wir gerade unsere Achtsamkeit lenken, bewusst oder auch unbewusst. Und tun wir dies eine Zeit lang intensiv, gibt es manche Dinge einfach nicht in unserer Welt; und meist nehmen wir an, auch nicht in der Welt anderer Menschen.

Wenn dies nun jeder Mensch so tut, ist es ganz leicht nachvollziehbar, dass jeder Mensch in seiner eigenen kleinen Welt lebt.

Es ist wie einkaufen gehen: ich lege nur das in meinen Einkaufswagen, was auf meinem Zettel steht oder was gerade in meinem Kopf herumschwirrt. Und ich nehme oft auch nur das wahr, was ich schon kenne, oder ich suche ganz speziell nur nach bestimmten Artikeln.

Was können wir nun tun, wenn wir eine höhere Achtsamkeit in unser Leben integrieren und wir im wahrsten Sinne des Wortes unseren Horizont erweitern wollen?

Beim Einkaufen käme das der Situation nahe, dass ich etwas sehe, was ich noch nicht kenne und nun neugierig bin und zugreife.

«All unser Wissen hat seinen Ursprung in der Wahrnehmung.»

(Leonardo da Vinci, italienischer Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom und Naturphilosoph um das 15. Jhdt.)

Hier kommt nun die Achtsamkeit ins Spiel

Was bedeutet Achtsamkeit?

  • ganz im Hier und Jetzt sein und entspannt wahrnehmen, was gerade geschieht
  • erhöhte Aufmerksamkeit
  • bewusstes Wahrnehmen und Erleben der eigenen Gedanken, Gefühle und Handlungen
  • mit völliger Präsenz bei dem sein, was ich gerade tue
  • ganz und gar wach sein in meinem Geist
  • meine Aufmerksamkeit allein auf das richten, was gerade in diesem Augenblick zu sehen, zu hören, zu riechen, zu schmecken, zu spüren oder anders wahrzunehmen ist
  • eine Aufgabe mit ganzer Hingabe und Konzentration tun ohne Ablenkung
  • all meine Aktionen mit meinen Sinnen begleiten

Achtsamkeit erreichen – aber wie?

Was hindert uns daran, diese Achtsamkeit zu erreichen?

Eine Flut von Informationen stürzt ständig auf uns ein, und wie im Hamsterrad stetig rennend kommen wir so nie an dieses Ziel.

Was könnte dich dazu bewegen, mehr Achtsamkeit in dein Leben zu lassen? Oder anders ausgedrückt, was muss passieren, damit du sagst: So geht es mit mir nicht weiter! Ich muss etwas ändern in meinem Leben!

Oder fehlt dir womöglich die Achtsamkeit dir selbst gegenüber?

Wie sieht es mit Stress aus? Fühlst du dich gestresst – die Arbeit, der Haushalt und mehr? Bist du viel zu beschäftigt mit deinen Gedanken, als dass du die Schönheit, die dich umgibt, wahrnehmen könntest? Vielleicht fändest du es schön, deine ständigen rotierenden Gedanken mehr zur Ruhe zu bringen und auf die kleinen schönen Dinge zu achten?

Was fühlst du jetzt gerade in diesem Moment? Was denkst du, jetzt, in diesem Moment, in dem du diesen Artikel liest, bei dem du vielleicht einen Tee oder eine Tasse Kaffee trinkst, dem Regen lauschst – hörst du ihn? -, der an die Scheiben prasselt oder die Geräusche im Hintergrund wahrnimmst, die spielenden Kinder oder den Hund? Nimm diesen Moment der Achtsamkeit wahr.

Achtsamkeitsübungen

Es gibt eine Vielzahl von Achtsamkeitsübungen, die alle mehr oder weniger Folgendes lehren:

  • innezuhalten und zu bemerken, wenn ich mich in Gedanken an Zukünftiges oder Vergangenes verliere
  • meine automatischen Denk- und Verhaltensmuster klarer zu erkennen
  • gelassener mit Stress umzugehen
  • mehr inneren Freiraum zu schaffen
  • die schönen Momente des Lebens bewusster zu genießen
  • Zugang zu meinen Gefühlen und meinen Bedürfnissen zu erhalten
  • zu erspüren, was ich gerade brauche, um im Gleichgewicht zu bleiben
  • achtsam zu sein, was ich gerade tue
  • meinen Atem, meinen Körper und meine Gedanken aufmerksam wahrzunehmen, ohne sie direkt beurteilen zu wollen
  • Alle diese Übungen machen mir bewusst, dass mein Leben aus einer Folge von Augenblicken besteht. Und der wichtigste ist JETZT.

Wenn ich durch den Wald gehe, sehe ich das Goldgelb des Laubes in den Bäumen und der gefallenen Blätter, rieche das Moos und die feuchte Rinde, höre die Vögel zwitschern und manchmal auch den Specht klopfen. Meine Füße gehen auf knirschenden Steinchen, hartem Waldboden oder weichem Gras. Ich höre und fühle den Wind und sehe, wie die dünnen hohen Fichtenstämme hin und her schaukeln. Mein einfacher Spaziergang wird zum Erlebnis. Ohne Kopfhörer, ohne Handyklingeln, ohne Zerreden der Stimmung. Und diese Momente der Achtsamkeit entspannen, machen den Kopf frei (für Neues) und eine Verbundenheit zu allem Sein stellt sich ein.

Dies alles ist eine Vorstellung, auch ich bin immer wieder auf dem Weg dorthin. Beim gestrigen Spaziergang etwa merkte ich, wie schnell ich wieder bei anderen Gedanken bin.

Wo geht sie hin die Achtsamkeit?

Gerade stand ich noch vor diesen sich wiegenden Fichtenstämmen, vollkommen im Hier und Jetzt und im Fluss des Geschehens. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht ging ich weiter. Und dann war er wieder da, dieser Gedanke, der da gar nicht hingehört! Ich habe ihn gar nicht kommen sehen. …

Es ist eine stetige Aufgabe, sich in Achtsamkeit zu üben. Immer wieder. Wenn du willst, gehen wir gemeinsam diesen spannenden Weg.

Ich habe hier mal einige wenige Aussagen zusammengetragen, wie andere Menschen und auch ich dieses besondere Befinden der Achtsamkeit wahrnehmen. Wie kommen wir der Achtsamkeit als tägliche Begleiterin immer näher?

Achtsamkeit bedeutet

  • neue Sichtweisen und Gedanken über mich, die Menschen und Dinge, die mich umgeben, und über den Fluss des Lebens zu gewinnen
  • innehalten und loslassen
  • bewusst die unzähligen Momente im Alltag wahrzunehmen und mich daran zu freuen
  • ein erfüllteres Leben zu leben
  • in schwierigen Situationen einen inneren Abstand und eine Ruhe zu finden, die tief unter all dem Wirrwarr liegen
  • meinen Alltag von Reizen und Aufgaben frei zu halten, die warten können oder mir nicht wichtig sind
  • viel schneller aus Kraft raubenden Gedankenschleifen heraus zu finden
  • offen für die Wunder des Lebens zu sein
  • mehr Besinnung und Gelassenheit, mehr Ausgeglichenheit und Gewahrsein
  • die Realität des gegenwärtigen Augenblicks zu akzeptieren
  • selbst alltägliche Dinge wie Kochen, Essen, Schreiben oder Gehen bekommen einen ganz anderen Wert, wenn ich sie bewusst wahrnehme
  • meinen Körper und meine Bedürfnisse besser wahrzunehmen
  • mich selbst mit allen Hochs und Tiefs liebevoll anzunehmen
  • zu merken, wie wundervoll es ist, mir selbst nah zu sein

Und der schönste Satz, der mich sehr berührt hat, ist

«Es ist, als hätte ich mich selbst geschenkt bekommen.»

Ist es das wert, seine Gewohnheiten zu ändern und Achtsamkeit zu üben?

Entscheide selbst.

«Wenn Sie wirklich zuhören, dann geschieht dabei ein Wunder. Das Wunder besteht darin, dass Sie ganz bei dem sind, was gesagt wird, und gleichzeitig Ihren eigenen Reaktionen lauschen.»

(Jiddu Krishnamurti, Weisheitslehrer des 20. Jhdts.)

Um das Wahrnehmen nachhaltig zu verändern, gibt es verschiedene Methoden bzw. Techniken, wie Achtsamkeitsübungen ausgeführt werden können. Voraussetzung ist, wie bei allen Übungen, kontinuierlich und sorgfältig zu üben. Hier sind meine Favoriten:

Übungen zur Entspannung

Entspannung ist die Grundvoraussetzung für alles Üben. Durch TaiJi, Qigong, Yoga oder andere achtsame Körperübungen bringen wir uns erst einmal dazu, körperlich loszulassen.

Übung der Meditation

Es gibt verschiedene Arten, achtsam zum Atem, zum Sitzen, zum augenblicklichen Sein zurückzukehren. Die meisten Traditionen benutzen eine der folgenden Methoden:

Bei der Zen-Meditation, dem «Sitzen in Schweigen», beobachten wir den unendlichen Strom unserer Gedanken so lange, bis der Geist leer wird.

Die Mantra-Methode benutzt rhythmische Klänge oder Bilder, mit deren Hilfe unser Geist einstmals in höheren Frequenzen schwingen wird.

Die dritte Methode, das Heilende Dao, lenkt die Achtsamkeit auf die Lebenskraft Qi. Weil unser Gehirn nur eine Aufgabe zur gleichen Zeit «richtig» ausführen kann, versiegt hierbei der Gedankenstrom auf ganz natürliche Weise, während zugleich unsere innere Energie gestärkt wird.

Achtsamkeit praktizieren

Als Einstieg möchte ich hier nun eine einfache Übung vorschlagen, damit du dich dem Thema annähern kannst. Ich sage bewusst einfach und nicht leicht. Die Übung ist einfach auszuführen, aber nicht leicht durchzuhalten (siehe Beispiel Waldspaziergang). Probiere es aus und schreibe mir, wie es dir ergangen ist.

«Steht es dir doch frei, zu jeder Stunde dich auf dich selbst zurückzuziehen. Gönne dir recht oft dieses Zurücktreten ins Innere und verjünge dich selbst.»

(Marc Aurel, römischer Kaiser im 2. Jhdt.)

Übung: Führe in jede Woche einen Tag der Achtsamkeit ein

Beobachte an diesem Tag genau, wohin du deine Aufmerksamkeit hinleitest. Oder fließt sie von allein? Woran denkst du vermehrt an diesem Tag? Finde heraus, was dir Freude macht, denn da sind dein Herz und dein Glück.

Und wo du glücklich bist, heißt es, ankoppeln und weiter machen.

Und wo es schmerzt, wo Stress ist, heißt es hinschauen und verändern.

Nimm – an diesem Tag der Achtsamkeit besonders – das Leben mit all deinen Sinnen wahr! Selbst alltägliche Dinge wie Anziehen, Waschen, Kochen, Essen, Lesen, Einkaufen, Gehen oder Sitzen bekommen einen ganz anderen Wert, wenn du sie bewusst wahrnimmst. Genieße es, dem Wasser auf deiner Haut nachzuschauen, wie es abperlt, nimm den Duft des Essens bewusst wahr, spüre deine Körperhaltung beim Gehen, Treppen steigen oder Stehen und lenke deine Aufmerksamkeit auf das Polster deines Stuhles beim Sitzen.

Behandle dich an diesem Tag der Achtsamkeit besonders liebevoll. Entwickle ein gesundes Gleichgewicht zwischen Aktivität und Passivität.

Wenn es möglich ist, widerstehe unwichtigen Dingen. Nichtstun als Tun!

Nach dem Motto: „Ich tue mein Bestes und tue nichts.“

Vielleicht hast du Lust, deine Erfahrungen aufzuschreiben? Womöglich merkst du dabei, wie deine Sehnsucht wächst und du Lust bekommst auf mehr.

Es lohnt sich allemal. Du wirst sehen!

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